Aquarienfotografie mit der Kompakten

By 16. Februar 2008Aquarienfotografie

So praktisch die kleine digitale Kompakte auch sein mag, bei der Aquarienfotografie kann sie zum echten Stolperstein werden. Folgende Tipps sind dafür gedacht, den Einstieg ein wenig zu erleichtern.

AQ-Fotografie mit der Vollautomatik macht nur bedingt Spaß und führt oft zu ernüchternden Ergebnissen. Deswegen empfiehlt sich von Anfang an der manuelle Modus, sofern ihn die Kamera bietet. Dabei sollten natürlich Begriffe wie Verschlusszeit, Blende, ISO-Wert und deren Zusammenhang geläufig sein. Ist das nicht der Fall, wird’s Zeit für ein paar Grundlagen, die man sich leicht im Internet besorgen kann (www.fotolehrgang.de ist zum Beispiel eine sehr umfangreiche und auch weiterführende Seite). Auch hier gibt es einen Artikel zum Thema. Viele Kompaktkameras bieten einen so genannten “Makromodus”, der bewirkt, dass die Naheinstellgrenze herabgesetzt wird. Für die AQ-Fotografie kann dieser durchaus geeignet sein. Ein Blick ins Handbuch der Kamera verrät, was das Gerät in diesem Bereich bietet.

Mangelware Licht

Meist fehlt es bei der AQ-Fotografie mit der Kompaktknipse einfach an Licht um passende Belichtungszeiten und Blendenwerte zu erreichen. Durch das Wählen der kleinsten Blendenzahl und einem hohen ISO-Wert lassen sich auch bei Standardaquarienbeleuchtungen schöne Aufnahmen schießen. Aber auch diese Technik stößt irgendwann an ihre Grenzen. Bei schnellen Salmlern zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit eines wirklich scharfen Bildes sehr gering, wenn das Licht nicht ausreicht. Immer wieder lese ich von erfolgreichen Versuchen den eingebauten Blitz der Kompakten zu benutzen. Persönlich hab ich es bis jetzt allerdings nicht geschafft, halbwegs ansehnliche Bilder damit aufzunehmen. Sinnvoller erscheint es mir hier, während den Aufnahmen zusätzliche Lichtquellen über dem Aquarium zu installieren. Über kleinen Becken können z.B. auch schon Schreibtischlampen deutliche Besserung bringen.

Reflexion durch internen Blitz

Gesamtaufnahmen

Als Lichtquelle für Gesamtaufnahmen von Aquarien reicht die Beckenbeleuchtung völlig aus. Ein Stativ oder Stativersatz wie ein Stuhl oder ähnliches ist empfehlenswert. Die Kamera wird auf das Aquarium ausgerichtet und die Blende nach Belieben gewählt (man kann ruhig ein wenig abblenden). Nun wird die Verschlusszeit so lange angepasst, bis die Belichtung den Erwartungen entspricht. Dabei kann es zu sehr langen Belichtungszeiten kommen, deswegen die Empfehlung für ein Stativ. Ein Nebeneffekt bei langen Belichtungszeiten ist das “Verschwinden” der Fische. Diese sind vielleicht noch als Striche zu erkennen, was das Gesamtbild aber im Normalfall nicht stört.

Nahaufnahmen

Bei Nahaufnahmen ist das Hauptproblem meist die Bewegung des Motivs. Hier hilft nur, die Belichtungszeit möglichst kurz zu wählen, um ein scharfes Bild zu erhalten. Also ist wieder, wie in “Mangelware Licht” schon angedeutet, eine möglichst kleine Blendenzahl und einen möglichst hoher ISO-Wert zu wählen. Ein zusätzliches Problem stellt der meist langsame Autofokus von Kompaktkameras dar. Bis die Kamera scharf stellt, ist der Fisch schon lange weg. Hier kann man versuchen, vorher auf ein Objekt zu fokussieren (z.B. eine Pflanze, Wurzel oder ein Stein), das in der Entfernung liegt, in der man nachher den Fisch vermutet. Üblicherweise muss man dazu den Auslöser halb durchdrücken um scharf zu stellen. Nun hält man den Auslöser gedrückt und verschwenkt nur noch die Kamera. Sobald das gewünschte Motiv durch die Schärfeebene schwimmt, drückt man den Auslöser voll durch. So hat man zumindest eine Chance, der Ausschuss kann erfahrungsgemäß aber recht hoch sein. Beobachten man die Fische, haben die meisten kurzzeitig “ruhige” Momente, erwischt man sie in so einem, stehen die Chancen besser.

Umgebung

Sehr ärgerlich können Reflexionen und Spiegelungen auf dem fertigen Foto sein. Um diese zu verhindern, sollte man im Vorhinein überprüfen was reflektiert und den Gegenstand entfernen bzw. verhängen (dunkle Tücher oder Decken können da einiges an Nerven sparen). Außerdem sollte man den Raum abdunkeln und nur die AQ-Beleuchtung, je nach Situation vielleicht noch den Blitz, als Lichtquellen nutzen um Reflektionen vorzubeugen.

Das Bildrauschen

Das Rauschen ist eine Bildstörung die unter anderem auch durch hohe ISO-Werte verstärkt wird. Der technische Hintergrund kann unter de.wikipedia.org/wiki/Bildrauschen nachgelesen werden und soll an dieser Stelle nicht mehr ausführlich behandelt werden. Kompaktkamerasensoren neigen durch ihre Bauart (vereinfacht gesagt: Viele Pixel, wenig Platz) zum Rauschen, das sich sehr schnell störend äußert. Da man bei der AQ-Fotografie aber selten die Wahl hat und auf hohe ISO-Werte angewiesen ist, muss man sich Wohl oder Übel mit dem Entrauschen in der digitalen Nachbearbeitung auseinandersetzen. Dabei gehen zwar Details verloren, das Ergebnis ist aber meist trotzdem noch besser als ein komplett verrauschtes Bild.

Reflexion durch Fenster

Weißabgleich

Der Weißabgleich ist eine sehr wichtige Einstellung, die das Bild entscheidend mitprägt. Da zwischen den Kameramodellen teilweise sehr große Unterschiede auftauchen, muss ich an dieser Stelle auf das jeweilige Handbuch verweisen. Dort findet sich normalerweise eine genaue Beschreibung, wo und wie man diesen Wert einstellen kann. Nur soviel: Von den Voreinstellungen eignet häufig die für “Kunstlicht”, dargestellt durch eine Glühbirne oder Neonröhre. Einen großen Vorteil stellt hier das .raw Format gegenüber dem .jpg oder .tif dar. Dabei werden nur die “Rohdaten” des Fotos gespeichert, viele Werte lassen sich noch im Nachhinein am Computer verändern, auch der Weißabgleich.

Und zum Schluss darf natürlich der ultimative Tipp für gute AQ-Aufnahmen nicht fehlen:
Geputzte Aquarienscheiben, ohne denen geht’s nicht! 😉

Die drei Fotos unterscheiden sich nur durch den jeweiligen Weißabgleich (links: 2500K, rechts: 10000K, mitte: der angepasste Weißabgleich)

Join the discussion 3 Comments

  • Mattias C sagt:

    Hallo,

    ich bin gerade dabei, deine Seite zu durchforsten und wollte mich an dieser Stelle schon einmal bedanken!
    Für Hobby-Amateur-Fotografen sind deine Artikel wirklich hilfreich!

    Schöne Grüße,
    Mattias

    • Hallo Mattias,
      danke für die Rückmeldung, freut mich dass die Artikel nicht nur „für die Fisch“ sind. 😉

      Schöne Grüße
      Peter

      • Mattias sagt:

        Hallo Peter,

        Ich muss schon zugeben, dass mich wundert, hier nicht viel mehr Kommentare zu lesen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es so viele Fotografen gibt, die auf so einem Level Aquarium-Fotografie betreiben und deshalb hier nichts lernen könnten 😉

        Also ich bin wieder am weiterstöbern… 🙂

        Schöne Grüße,
        Mattias

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