Blitzlicht in der Aquarienfotografie: Einführung in die Technik

By 22. Februar 2009Aquarienfotografie

Licht ist der limitierende Faktor in der Aquarienfotografie. Dabei kommen gleich mehrere Umstände zusammen, erstens handelt es sich in den allermeisten Fällen um Makrofotografie, die schon durch die physikalischen Gegebenheiten einen gewissen Lichthunger mitbringt, zweitens fehlt es rein quantitativ an Licht, da die künstliche Aquarienbeleuchtung nur ein müder Abklatsch ihres Vorbildes ist und drittens fehlt es an Qualität, da auch das Farbspektrum der künstlichen Beleuchtung nicht mithalten kann. Wenn man so will sind Aquarienfotografen im Vergleich mehr als nur ein wenig gehandikapt. Das Licht am Ende des Tunnels stellen hier Elektronenblitzgeräte in allen Formen dar.

Der Blitz am Schuh

Die naheliegende Verwendung ist wohl das direkte Aufstecken des Blitzes auf den Zubehörschuh. In der AQ-Fotografie bringt das aber einige Probleme mit sich. Reflexionen, Schlagschatten und das “Flachblitzen” sind wohl die häufigsten. Selbiges gilt auch für in die Kamera integrierte Blitzgeräte, Abhilfe kann dabei eine zusätzliche Streuung des Blitzlichtes (Diffusor, Bouncer, etc.) schaffen. Weiter unten mehr dazu.

Entfesselt, aber an der Leine

Wenn der Blitz nicht direkt an die Kamera gebunden ist, bezeichnet man das als entfesseltes Blitzen, der Großteil der guten Aquarienaufnahmen wird mithilfe entfesselter Blitze realisiert. Mittels eines Kabels lässt sich das wohl am einfachsten erreichen. Es besteht nun die Möglichkeit, das Gerät auch über dem Aquarium zu platziert, was einen natürlicheren Lichteindruck zur Folge hat. Mit dieser Methode lassen sich sehr viele Blödheiten realisieren und sie ist prinzipiell auch mit anderen Techniken zum Entfesseln kombinierbar, was der Kreativität große Spielräume lässt. Natürlich hat sie auch ihre Schattenseiten, je nach Länge des Kabels schränkt es mehr oder weniger die Bewegungsfreiheit ein und ist man noch zusätzlich mit meiner Geschicklichkeit ausgestattet, schafft man es früher oder später mit Sicherheit den Blitz mitzureißen und zu versenken, deswegen:

Entfesselt, aber diesmal wirklich

Funk, Infrarot und einfache Fotozellen, alles Techniken mit denen sich ein einzelner, aber auch mehrere Blitze vollkommen frei platzieren lassen. Wofür man sich schließlich entscheidet ist eine Geschmacks- und Komfortfrage. Abgesehen von Infrarot (zumindest nennen es die Hersteller so), das auch alle Automatiken unterstützt, muss man bei den unterschiedlichen Techniken verschiedene Abstriche machen. Das stellt aber kein echtes Problem dar, da in den meisten Fällen so und so ein paar Testaufnahmen notwendig sind.

Streuung

Diffusor, Bouncer, Omnibounce oder wie man das Kind sonst noch nennen will. Eine Formenvielfalt von billigen Plastikteilen, die dazu dienen das Blitzlicht zu streuen. In Fotoforen wird ihre Wirkung oft heiß diskutiert, in der Makro- und vor allem Aquaristikfotografie haben sie durch die kleinen Motive aber auf alle Fälle ihre Berechtigung. Auch motivbedingte Reflexionen können damit abgemildert werden. Persönlich bevorzuge ich die kleineren weißen Plastikbecher. Die Wirkung ist zwar nur mit der der Streuscheibe vergleichbar, die in einigen Blitzen schon ausziehbar eingebaut ist, dafür lässt sich der Blitz aber sehr einfach auf dem Aquarium platzieren.

E-TTL oder Manuell?

In dieser Beziehung gibt es kein gut und böse. Bei vielen entfesselten Varianten, wie über Fotozellen oder Funk, stellt sich die Frage gar nicht, weil die Automatiken so und so nicht unterstützt werden. Aus meiner Sicht sollte an der Kamera das “M” stehen, ob der Blitz jetzt ebenfalls manuell eingestellt wird, oder ob man TTL nutzt und dabei nachkorrigiert bleibt schon wieder eine Geschmackssache. Mir schmeckt (E)TTL besser, deswegen möchte ich noch ein wenig darauf eingehen. Die Messung mag noch so gut funktionieren, am regelmäßigen Nachkorrigieren wird man trotzdem nicht vorbei kommen. Deswegen empfehle ich, die Blitzbelichtungskorrektur auf die Kamera zu legen um dafür nicht immer extra den Blitz in die Hand nehmen zu müssen, denn dann könnte man auch gleich manuell arbeiten. Den echten Vorteil sehe ich vor allem darin, dass die Kamerawerte vollkommen frei gewählt werden können, betreibt man den Blitz manuell, neigt man doch relativ schnell dazu nicht den Blitz nachzuregeln, sondern die Belichtungswerte an der Kamera, reiner Selbstschutz so zu sagen.

Anmerkung: E-TTL steht für Evaluative-Through The Lens (genauere Erklärung bei wikipedia.de).

Positionierung des Blitzes / der Blitze

Ausgangspunkt ist zumindest ein entfesselter Blitz. Die besten Ergebnisse erzielt man damit meist, wenn man das Gerät über dem Aquarium platziert und es somit die Funktion der “natürlichen” Lichtquelle nachahmt. Einige Motive sind mit so einer Positionierung aber nur schwer auszuleuchten, Schnecken sind ein gutes Beispiel dafür. Das Gehäuse wirft seinen Schatten auf den Fuß es Tieres, was eine Unterbelichtung dieses wichtigen Motivteils mit sich bringt. Entweder positioniert man den Blitz nun anders und versucht es von schräg oben, oder man arbeitet mit einem zusätzlichen frontalen Aufhellblitz. Dieser kann auch in vielen anderen Fällen zu einem ansprechenden Bildergebnis führen. Wichtig ist dabei, dass der zweite Blitz wirklich nur eine Aufhellfunktion übernimmt und das erste Gerät über dem Aquarium die Hauptlichtquelle bleibt, um einen natürlichen Lichteindruck zu erhalten. Diese Positionierungen reichen in den allermeisten Fällen aus, um aquaristische Motive ins richtige Licht zu setzen, natürlichen gibt es aber eine Vielzahl von anderen Variationen. Zum Beispiel kann sehr schnell mehr Licht (also ein zusätzlicher Blitz) für den Hintergrund fällig werden. Prinzipiell sind der Kreativität und der Anzahl der Blitzgeräte keine Grenzen gesetzt, Licht kann man an allen möglichen Stellen und aus allen möglichen und unmöglichen Richtungen benötigen. Auch eine gewisse Experimentierfreudigkeit schadet nicht, um die getrampelten Wege gelegentlich zu verlassen.

Nachteile des eingebauten Blitzes: Flaches Licht, Schlagschatten und Reflexionen

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