Available Light in der Aquarienfotografie

„Available Light“ (AL) bedeutet in der Fotografie, dass nur das schon vorhandene Licht genutzt, also auf Blitzlicht oder zusätzliches Dauerlicht verzichtet wird. Im Unterschied zu anderen Bereichen der Makrofotografie (Insekten, Blüten, …) ist entfesseltes Blitzlicht in der Aquarienfotografie die übliche Lichtquelle für gute Fotos. Das liegt zum einen daran, dass Aquarien vergleichsweise schwach beleuchtet werden, zum anderen an den Motiven, die sich fast immer mehr oder weniger in Bewegung befinden. Trotzdem kann AL in der Aquarienfotografie notwendig werden. Sei es weil im Schauaquarien Blitzverbot herrscht, weil der natürliche Lichteindruck dokumentiert werden soll, weil es die technischen Voraussetzungen verlangen, oder weil man einfach die Herausforderung sucht. Das grundsätzliche Problem: Zu wenig Licht für die nötige Verschlusszeit und damit unscharfe Bilder. Die logische Konsequenz sind hohe ISO-Werte und eine große Blende.

Ein genaues Patentrezept gibt es nicht, da diese Art der Fotografie stark situations- und motivabhängig ist. Grundsätzlich gilt beim ISO-Wert der alte Spruch: So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Auch seine persönliche Grenze sollte man im Hinterkopf behalten, bei der man mit dem Bildrauschen (gegebenenfalls nach der Nachbearbeitung am PC) noch leben kann. Keineswegs muss dieser Wert nämlich mit dem maximal einstellbaren Wert der eigenen Kamera übereinstimmen. Verschlusszeit und Blende hängen vor allem vom Motiv ab. Während zum Beispiel schnelle Fische kurze Verschlusszeiten erfordern, liegt das Hauptaugenmerk bei Garnelen und kleinen Krabben auf einer ausreichenden Schärfentiefe, also auf der Blende. Damit ergibt sich auch die jeweilige Wahl der Belichtungsautomatik, abhängig vom Motiv bietet sich die Blendenautomatik (je nach Hersteller „Tv“ oder „S“) oder die Zeitautomatik („Av“ oder „A“) an.

Reflexionen

Spiegelungen, einstreuendes Licht und Reflexionen sind ein Hauptproblem bei der Aquarienfotografie ohne Blitzlicht. Andere Aquarienbeleuchtungen, Raumbeleuchtungen, Informationsbildschirme und beleuchtete Schautafeln sind nur einige der Lichtquellen, die dafür verantwortlich sein können. Abhilfe schaffen hier Kleinigkeiten wie dunkle Kleidung und Gummi-Gegenlichtblenden, mit denen man das Objektiv direkt an die Aquarienscheibe anlegen kann. In den allermeisten Fällen hilft es allerdings nur, sich auf die vorgefundene Situation einzustellen. Die Veränderung der eigenen Position und die Änderung des Aufnahmewinkels sind dazu sehr häufig notwendig. Auch die Veränderung des Aufnahmeabstands und der Brennweite kann zu einer Verbesserung führen. In der fotografischen Praxis bedeutet das, dass man neben dem Hauptmotiv und dessen Gestaltung auch ständig eventuelle Reflexionen im Blick behalten muss, was häufig nicht leicht fällt. Auch kann es zur Folge haben, dass auf die ideale Bildgestaltung zugunsten eines technisch besseren Fotos verzichtet werden muss. Bei sehr stark spiegelnden Aquarienscheiben ist es ratsam, sich den besten, im Sinne von reflexionsfreiesten, Platz an der Scheibe zu suchen und mit einem Weitwinkelobjektiv so nah wie möglich heran zu gehen. Sehr häufig ist es notwendig, bei diesen Bedingungen auf das Motiv zu warten bis es in die ideale Position schwimmt. Das Verfolgen von Fischen und anderen Tieren mit der Kamera führt in solchen Fällen unweigerlich dazu, dass man Kleinigkeiten aus den Augen verliert und so eigentlich ansehnliche Aufnahmen durch Spiegelungen unrettbar verloren sind. Denn auch in der digitalen Nachbearbeitung lassen sich großflächige, deutliche Reflexionen nur äußerst schwierig korrigieren, vor allem wenn sie wichtige Bildelemente überlagern.

Update: In der Datz-Ausgabe 9/2012 erschien ein Artikel von mir, der auf die Fotografie in Schauaquarien näher eingeht. Nicht nur deswegen ist das Heft eine Empfehlung wert. 😉

Neopetrolisthes maculatus – Fleckentupfen-Anemonenkrabbe, 1/320 Sek., f4,5, ISO-4000

Join the discussion 2 Comments

  • Hi Dirk,

    ja, die Fotos wurden mit Noiseware Pro entrauscht.

    Der maximale ISO-Wert, den man bereit ist einzustellen, ist immer ein Kompromiss aus den Gegebenheiten der Aufnahmesituation, dem persönlichen Anspruch an die Bildqualität und dem späteren Verwendungszweck des Fotos.

    In absoluten Werten ausgedrückt ist er natürlich maßgeblich von der verwendeten Kamera abhängig, hier kann ich mich deinen Ausführungen nur anschließen, danke dafür.

    Schöne Grüße
    Peter

  • Dirk sagt:

    Hallo Peter,

    Die Qualität der gezeigten Fotos ist bei den hohen ISO-Werten beeindruckend! Wurde nachträglich zusätzlich per Software entrauscht?

    Ich möchte noch folgende Anmerkungen ergänzen:

    Kompaktkameras mit ihren sehr kleinen, dicht gepackten Sensoren und auch Digitale Consumer-Spiegelreflexkameras, die schon einige Jahre alt sind, weisen i.d.R. sehr hohes Rauschen auf, im Vergleich zu aktuellen, hochwertigen DSLR. Da kann man oft nur bis ISO 800 oder weniger hochgehen …

    Auch beim sehr starken Verkleinern der Fotos, z.B. zur Darstellung auf dem Monitor, reduziert sich ein möglicherweise starkes Rauschen des Originals oft auf ein erträgliches Mass.

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