Makro/Reprotisch im Eigenbau

By 14. September 2010Aquarienfotografie

Reprotische werden üblicherweise dazu verwendet, plane Objekte wie Bücher, Dokumente oder Münzen nervenschonend und effektiv ab zu lichten. Ein klassisches Beispiel dafür ist der MS-Repro von Novoflex, am Gebrauchtmarkt sind auch Vorgängermodelle und andere Fabrikate erhältlich. Allen gemein ist der grundsätzliche Aufbau, welcher zumindest aus einer Kamerahalterung und einer Ablagefläche für das Motiv besteht. Passende zusätzliche Dauerlichtquellen werden ebenfalls häufig angeboten, da neben der planen Ausrichtung der Kamera vor allem sehr gleichmäßiges Licht für diese Art der Fotografie essenziell ist. Um bei fest vorgegebenen Maßstäben scharf zu stellen, ist eine Höhenverstellung notwendig. Diese erfolgt entweder über eine Höhenverstellung der kompletten Motivablage, oder, wie es wesentlich häufiger der Fall ist, an der Kamerahalterung in Form eines Einstellschlittens.

Anwendung in der Aquarienfotografie

Der einem Mikroskop ähnliche Aufbau ist in der Aquarienfotografie, die hier natürlich im weiteren Sinne zu verstehen ist, vor allem bei hohen Abbildungsmaßstäben von Vorteil. Im Wasser lebende Kleinstlebewesen oder Fischlaich sind auf diese Weise einfach in der Schärfeebene zu halten und auch die ideale Ausleuchtung lässt sich leichter realisieren. Die Perspektive entspricht der einer üblichen Mikroskopaufnahme.

Aufbau

Der grundsätzliche Aufbau ist schnell erklärt. Die 250mm und 150mm Profile werden mit Hilfe der Steckverbinder zu einem Quader verbunden, welcher als Auflagetisch für das 30x30cm Fotobecken dient. Die beiden längeren Profile werden senkrecht an diesen Quader montiert, in dem man sie an entsprechender Stelle komplett durchbohrt und verschraubt. Genutzt werden sie als Halterung für den Einstellschlitten bzw. eine Blitzschiene, auch dazu durchbohrt man einfach die Profile in verschiedener Höhe. Die Abstände zwischen den Löchern sind abhängig von den Stativbohrungen am gewählten Einstellschlitten.

Praxistest

In der Praxis hat sich der Makrotisch in den letzten Monaten bewährt, kein Vergleich zu früheren eher wackligen und alles andere als komfortablen Aufbauten. Kleine Tricks und Kniffe ergeben sich von selbst, achten sollte man vor allem auf eine möglichst staubfreie Lagerung der Objektträger (in meinem Fall Petrischalen) und der Glasplatte/des Fotobeckens. Transparente Acrylplatten sind für so manche Lichtführung und zum Abdecken ganz praktisch, als Auflagefläche haben sie sich allerdings nicht bewährt. Eine grundsätzliche Problematik bei hohen Abbildungsmaßstäben ist die sehr geringe Schärfentiefe und die früh einsetzende Beugungsunschärfe. Beide sind physikalisch gegeben, die Grenzen lassen sich digital aber ein wenig dehnen. Durch das so genannte Focus Stacking werden am Computer mehrere Aufnahmen, die sich nur durch die gesetzte Schärfeebene unterscheiden, verrechnet, um eine höhere Schärfentiefe zu erreichen. Ein empfehlenswertes Programm für diesen Bearbeitungsschritt ist CombineZP.

Zielsetzungen des Eigenbaus

  • Auswechselbarer Hintergrund
  • Verwendbarkeit des vorhandenen flachen 30x30cm Fotobecken
  • Verwendbarkeit des vorhandenen Einstellschlittens (Novoflex Castel-Q) zur Höhenverstellung
  • Variable (Blitz)Lichtführung

Die Materialwahl fiel auf eloxierte Aluminiumprofile mit 25x25mm und entsprechende Steckverbinder, wie sie zum Beispiel im Regalbau zum Einsatz kommen. Bezugsquellen, die auch millimetergenau zugeschnitten versenden, sind über Google oder jede andere Suchmaschine leicht zu finden.

Materialliste

  • 4x Aluprofil 150mm
  • 8x Aluprofil 250mm
  • 1x Aluprofil 500mm
  • 1x Aluprofil 800mm
  • 8x Winkel mit einem Abgang Steckverbinder mit Stahlkern
  • 3 Hartschaumplatten 300x300mm, jeweils eine in weiß, schwarz und blau
  • 1x transparente Acrylplatte 300x300mm
  • 4 M8 Sechskantschrauben (60mm), passende Muttern und Beilagscheiben
  • Zumindest zwei 1/4 Zoll 20 UNC (passend für das Stativgewinde) x 1 1/4 Zoll Schrauben. Tipp: Bei amerikanischen Autoschraubern wird man fündig.

Join the discussion 3 Comments

  • Michael sagt:

    Hallo Peter,
    herzlichen Dank für die ausfühliche Beschreibung Deines Reprotisches. So etwas in der Art werde ich mir auch bauen. Kannst Du noch etwas genauer werden hinsichtlich der Kamerabefestigung, ein Hinweis zum Fabrikat des Einstellschlittens würde mir helfen? Vielleicht kannst Du auch ein Foto des Teils zeigen?

    Viele Grüße
    Michael

  • Hi Michael,
    ist sicherlich auch für einen Balgen ein guter Aufbau. Die Kamera selbst ist mit dem Schlitten (Novoflex CASTEL-Q) über die Stativschelle des Objektivs verbunden. Das zweite Foto zeigt die Befestigung des Schlittens am Aluprofil.

    Schöne Grüße
    Peter

  • Lemi sagt:

    Hi Peter, so machst du also deine Supermacros. Das sieht sehr gut aus. Danke für die Beschreibung und die Infos..
    LG Lemi

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