Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert in der Aquarienfotografie

By 23. Februar 2012Aquarienfotografie

Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert, die heilige Dreifaltigkeit der Fotografie. Neben der Lichtquelle regeln diese Werte die Belichtung eines Fotos und beeinflussen das spätere Bildergebnis aus rein physikalischen Gründen unterschiedlich. “Sport”, “Landschaft”, “Portrait”, “Nachtportrait”, “Baby1″, “Baby2″, “Kerzenlicht”, “Feuerwerk” oder jede andere Belichtungsautomatik in modernen Kameras macht im Wesentlichen nichts anderes, als diese drei Werte jeweils unterschiedlich zu gewichten, um bei einer vorgegebenen Lichtmenge auf ein “richtig” belichtetes Bild zu kommen. Versteht und beherrscht man alle drei, kann man fotografieren, um es überspitzt auszudrücken. Verstehen und beherrschen liest sich dabei recht hochtrabend, dabei ist nicht wirklich viel dabei. Mir ist bewusst dass das Thema mindestens 150 Jahre alt ist, also nicht mehr ganz taufrisch und an den verschiedensten Plätzen wohl wesentlich besser als hier aufbereitet und behandelt wurde. Trotzdem kann es in der Auseinandersetzung mit Aquarienfotografie nicht schaden, auch einen Blick auf die Grundsteine zu werfen. Um nicht zu weit ausschweifen zu müssen, versuche ich bei technischen Details soweit es geht auf die durchwegs empfehlenswerten Wikipedia-Artikel zu verweisen.

Belichtungszeit

Kurz: Die Belichtungszeit ist jene Zeit, angegeben in Sekunden, die ein lichtempfindliches Medium (heute der Sensor, früher der Film) dem Licht ausgesetzt wird. Wie funktioniert es? Entweder rein elektronisch, wie bei den meisten modernen Kompaktkameras, oder mit Hilfe eines eigenen Verschlusses (daher der Begriff “Verschlusszeit”), welcher zum Beispiel bei digitalen Spiegelreflexkameras in Form des Schlitzverschlusses Verwendung findet. Sich die grundlegende Funktionsweise eines Schlitzverschlusses zu vergegenwärtigen macht aus meiner Sicht Sinn, da man gerade in der Aquarienfotografie sehr häufig mit Blitzlicht arbeitet. Diesen Zusammenhang möchte ich im Folgenden ein wenig herausarbeiten.

Belichtungszeit bei der Fotografie mit Dauerlicht

Bei der Fotografie mit Dauerlicht als ausschließliche Lichtquelle (Sonnenlicht, Leuchtstoffröhren, Glühbirnen, etc.) ist der Zusammenhang zwischen Belichtungszeit und Bildergebnis banal. Umso länger die Belichtungszeit, umso mehr Licht fällt auf den Sensor, umso heller wird das Bild. Eine Verdoppelung der Belichtungszeit führt zu einer verdoppelten Lichtmenge und umgekehrt, ausgehend von 1/100sec. nimmt der Sensor bei einer 1/200sec. also nur noch die halbe Lichtmenge auf. Auch die Auswirkungen auf die Bildgestaltung liegen auf der Hand, die Belichtungszeit ist wesentlich für die Schärfe verantwortlich, bzw. für zwei verschiedene Arten von Unschärfe. Die Bewegungsunschärfe tritt auf, wenn sich das Motiv während der Belichtungszeit merklich bewegt. Die Verwacklungsunschärfe tritt auf, wenn der Sensor, also die Kamera während der Belichtung bewegt (“verwackelt”) wird. Kleine Anmerkung am Rande: Natürlich kann nur die Verwacklungsunschärfe durch Bildstabilisierungstechniken (IS, VR, etc.) reduziert werden, nicht die Bewegungsunschärfe.

Die üblichen Belichtungszeiten in der Aquarienfotografie sind bei Blitzeinsatz die Blitzsynchronzeit (abhängig von der Kamera, meist 1/200sec. bis 1/320sec.), eben um Umgebungslicht auszuschließen. Bei Dauerlicht bzw. “Available Light” herrscht meistens Lichtmangel. Man muss also eine Belichtungszeit finden, bei der man weder verwackelt, noch sich das Motiv bewegt und trotzdem genug Licht auf den Sensor fällt. 1/100sec. ist hier eine gute Ausgangsbasis zum Experimentieren.

Belichtungszeit bei der Fotografie mit Blitzlicht

Etwas anders verhält es sich bei der Fotografie mit Blitzlicht. Der Blitz gibt eine vorher definierte Lichtmenge ab, er beginnt also zu leuchten und hört nach einer bestimmten Zeit wieder auf. Diese Abbrenndauer eines Blitzes ist üblicherweise wesentlich kürzer als die Belichtungszeit und liegt im Bereich von tausendstel Sekunden. Aus diesem Grund hat die Belichtungszeit auf das Blitzlicht KEINEN Einfluss. Wichtig ist nur, dass der Blitz irgendwann während der Belichtungszeit zündet, also synchron mit der Kamera ist. Hier kommt die oft empfohlene Blitzsynchronzeit ins Spiel. Das ist nichts anders als die kürzeste Belichtungszeit, bei der der Verschluss noch komplett geöffnet ist (Ausführliche Erklärung). Das heißt, zündet der Blitz während der Blitzsynchronzeit, belichtet er den gesamten Sensor. Würde man nun die Belichtungszeit weiter verkürzen, würde bei einem Schlitzverschluss nur noch ein Streifen des Sensors vom Blitzlicht getroffen. Deswegen ist die Blitzsynchronzeit die kürzest mögliche Belichtungszeit bei Blitzeinsatz, Techniken wie HSS ausgenommen. Für das Bildergebnis bedeutet das, dass die Belichtungszeit nicht das Blitzlicht regelt, sondern ausschließlich den Einfluss des Umgebungslichtes. Die möglichst kürzeste Verschlusszeit (die Blitzsynchronzeit) wählt man darum, um abgesehen vom Blitz alle anderen Lichtquellen von der Belichtung auszuschließen. Wenn der Blitz die einzige Lichtquelle ist, bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Belichtungszeit auf das fertige Bild keinen Einfluss hat. Egal ob man eine 1/200sec. oder 10sec. lang belichtet, die kurze Abbrenndauer des Blitzes “friert” das Motiv immer ein, Bewegungs- und Verwacklungsunschärfe sind ausgeschlossen (wie gesagt, vorausgesetzt es ist abgesehen vom Blitzlicht stockfinster).

Bewegungs- und Verwacklungsunschärfe durch zu lange Belichtungszeit

Blende

„Die Blende ist eine (normalerweise mechanische) Vorrichtung an Kameras, mit deren Hilfe der Lichtdurchlass durch das optische System (Objektiv) verändert werden kann. Sie ist meist als Lamellenblende (auch Irisblende genannt) ausgeführt, bei der sich kreisförmig angeordnete Lamellen-Bleche so ineinander verschieben, dass der Lichtdurchlass enger oder weiter und so das einfallende Lichtbündel kleiner oder größer wird.“ de.wikipedia.org/wiki/Fotografische_Blende

Einfach gesagt: Großes Loch = Große Blende = viel Licht und umgekehrt. Nun beschreibt aber eine kleine Blendenzahl eine große Blende und eine große Blendenzahl eine kleine Blende. Warum? Weil es sich um ein Verhältnis handelt. Blendenzahl = Brennweite dividiert durch den Durchmesser der Eintrittspupille. Also umso kleiner die Eintrittspupille, die „Öffnung“ ist, umso größer die Blendenzahl. Wichtig ist es, die Blendenreihe ungefähr zu kennen, da diese nicht linear verläuft. Der Unterschied in der Lichtmenge ist zwischen 2.8 und 4 genauso groß wie zwischen 11 und 16, umgangssprachlich spricht man in beiden Fällen von „einer Blende“ Unterschied, meint damit aber eine ganze Blendenstufe (Halbierung bzw. Verdoppelung der durch das Objektiv fallenden Lichtmenge).

Typische Blendenzahlen in der Aquarienfotografie sind f/8 bis f/16, entsprechendes (Blitz)Licht vorausgesetzt, um gerade im Makrobereich zu einer ausreichenden Schärfentiefe zu gelangen. Trotzdem kann diese je nach Brennweite und Abstand zum Motiv nur wenige Millimeter betragen, was präzises Fokussierung umso wichtiger macht. Beliebig weites Abblenden ist aus dem Grund nicht möglich, weil ab einem gewissen Punkt die Beugungsunschärfe immer stärker einwirkt. Ein Zugewinn an Schärfentiefe wird dann mit einem massiven Verlust von Detailauflösung erkauft. In diesem Zusammenhang kann es helfen zu wissen, wo beim eigenen System die kritische Blende liegt, um die für die jeweilige Situation optimale Blendeneinstellung zu finden.

ISO-Wert

Der ISO-Wert ist, anders als es der Wikipedia-Artikel vermuten lässt, schnell erklärt. Er beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors bzw. wie stark das analoge Signal des Sensors vor der Digitalisierung verstärkt wird. Hier erklärt sich auch die Problematik hoher ISO-Werte. Der Sensor wird genau genommen nicht lichtempfindlicher, sondern das einfallende Licht bzw. das Signal vom Sensor wird nur stärker verstärkt und mit ihm auch alle Bildfehler, was sich im stärkeren Bildrauschen äußert. Höhere ISO-Werte können sich außerdem auch negativ auf Dynamikumfang und Farbe auswirken. Damit ergibt sich eine einfache Empfehlung: Ist genügend Licht vorhanden, einfach den Basis-ISO-Wert der Kamera wählen (meist ISO-100 oder ISO-200). Steht nicht genügend Licht zur Verfügung, dienen höhere ISO-Werte dazu, ausreichend kurze Verschlusszeiten oder ein Abblenden zu Gunsten der Schärfentiefe zu ermöglichen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Fotografie in Schauaquarien mit Blitzverbot. Ein verrauschtes Foto ist immer besser als gar keins und moderne Kamerasensoren bieten inzwischen auch bei sehr hohen ISO-Werten oftmals annehmbare Bildergebnisse. Ist man häufiger auf die High-ISO-Fähigkeiten seiner Kamera angewiesen, zahlt es sich außerdem aus, sich mit dem nachträglichen Entrauschen am PC intensiver auseinander zu setzen. Viele moderne Programme bieten inzwischen Entrausch-Algorithmen, die Erstaunliches ermöglichen.

Will man das alles auf eine Faustformel für die Aquarienfotografie mit Blitzlicht herunter brechen, landet man wohl irgendwo bei 1/200sec., f/10 und ISO-200. Doch kein Motiv ist wie das andere und gerade das Gestaltungsmittel Blende aber auch die Verschlusszeit sollten überlegt gewählt werden, um seine eigenen Bildideen umsetzen zu können. Also nur Mut zum Experimentieren und keine Scheu vor dem manuellen Modus, die richtige Belichtung ist kein Hexenwerk.

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